Steuern auf Haarpuder !

Kennern der Fiskalphilatelie ist vielleicht das Werk von Ig. Mayr und Ladislaus Hanus „Illustriertes Handbuch und Preis-Katalog der Stempelmarken von Österreich-Ungarn“ aus dem Jahre 1929 bekannt. Es gilt auch heute noch als ein Standardwerk für dieses Gebiet. (Bibliotheks-Signatur DÖ-A 231)

Wenig bekannt dürfte jedoch die Tatsache sein, dass Hanus ebenfalls eine Veröffentlichung zu anderen österreichischen Verbrauchssteuerarten plante, wie Ankündigungs-, Kalender- und Spielkartenstempel und eben auch zu „Haarpuder und Stärke“.

Zu einer Veröffentlichung kam es nicht mehr, aber Kennern war bekannt, dass noch Manuskripte von Hanus (und Dr. Krug und Dr.Mittermayer) existieren sollten.

Unser Mitglied Wolfgang Jakubek entdeckte jetzt in seinem Archiv sieben unveröffentlichte Manuskripte. Sie stammten aus einem österreichischen Kloster und waren Teil der einmaligen Bibliothek von Pfarrer Gunz, die ein paar hundert Bände zur Fiskalphilatelie umfasste und die weitgehend in den 1970er Jahren verkauft wurde. (Die Fiskalmarkensammlung von Pfarrer Gunz war vermutlich die größte jemals existente Sammlung weltweit!)

Wir freuen uns, dass Herr Jakubek diese sieben Werke nun der Philatelistischen Bibliothek Hamburg übereignet hat. Es sind im Einzelnen:

Österreichische Kalenderstempel 1721-1900. 22 S.

Österreich-Ankündigungsstempel 1850-1874. 4 S.

Spielkarten-Stempel 1681-1900. 18 S.

Haarpuder und Stärke 1720-1835. 6 S.

Lombardei und Venedig 1797-1862. 71 S.

Österreichische Niederlande ca. 1700-1792. 18 S.

Ungarn Verbrauchs-Stempelsignetten 1850-1900. 10 S.

Bei allen Manuskripten handelt es sich um maschine-geschriebene Seiten, die jeweils in einem Pappumschlag broschiert wurden. Sie enthalten jeweils einen geschichtlichen Überblick, Wortlaute der entsprechenden Dekrete sowie Beschreibungen und Auflistungen der Wertstufen. Ein großartiger Fundus für den Spezialsammler. 

Und noch einmal zur Steuer auf Haarpuder: War das Puder gegen Kopfläuse „mit Ingredienzien“ vermischt, unterlag es der Stempeltaxe, war es hingegen ohne eine solche Beimischung, durfte es stempelfrei (=steuerfrei) verkauft werden. So streng waren die Bräuche!   

Rogue´s Gallery

„Rogue´s Gallery“ ist eine Kolumne, die sich mit dem Thema Fälschungen beschäftigt. 

Sie ist enthalten in der Zeitschrift „Vorläufer“, dem Journal des GCCG ( German ColoniesCollectors´ Group). Der Autor, Marcel Zollinger, hat dort von 2000 bis 2011 über Fälschungen deutscher Kolonialmarken geschrieben und diese Artikel nun in einem Buch veröffentlicht.

Das Buch enthält vergrößerte, farbige Abbildungen , so dass die Hinweise auf die Fälschungs-merkmale gut nachzuvollziehen sind. Druckbild, Perforation, Farben und falsche Abstempelungen sind gut erkennbar. Interessant sind die Beiträge auch, weil der Verfasser sich intensiv mit Fachliteratur befaßt hat und ausführlich zu jeder Marke kommentieren kann. Das Buch ist in englischer Sprache erschienen.

Marcel Zollinger. Rogue´s Gallery. Articles on Postage Stamps Forgeries from the German Colonies Collector´s Group. Published in the Journal Vorläufer. 2020. 220 Seiten, farbige Abbildungen, fest gebunden.

Kleine Raritäten in der „Schatzkammer“ unserer Bibliothek.

Besuchern, die unsere Bibliothek betreten, fällt sofort unsere Vitrine auf, in der philatelistische Ephemera und andere Utensilien aus der Frühzeit des Briefmarkensammelns zu sehen sind. Frühe Farbenführer und Zähnungsschlüssel aus den Anfangsjahren der Philatelie, eine original verschlossene Packung der berühmt-berüchtigten „Schonfalze“, Briefmarkenboxen aus englischem Sterlingsilber oder Uralt-Lupen – und mitten darunter „Ex-Libris“, zum Beispiel von 

John K(err) Tiffany (1842-1897)

„Philatelical Library Collected by John K. Tiffany“, in der Mitte die Bären von St. Louis.

John K. Tiffany (1842-1897) lebte und arbeitete als Ingenieur in St.Louis, Missouri. Sein Hobby: Die Philatelie.

Was die „Bibliophilen“ unter Ihnen wissen, sei hier noch einmal kurz wiedergegeben: Tiffany sammelte, neben Briefmarken, alles, was über Briefmarken zu der Zeit in gedruckter Form erschienen war und laufend erschien. Als er im Jahre 1897 starb, hinterließ er die größte Philatelistische Bibliothek der Welt. 

Diese wurde an den Earl of Crawford verkauft, der sie wiederum dem Britischen Museum vermachte. In der British Library ist diese Bibliothek heute zu bestaunen.

Aus welchem Buch das Exlibris von Tiffany in unserer Vitrine stammt, ist nicht bekannt. Sie werden aber sicherlich zustimmen, dass es sehr dekorativ ist!

Obwohl die „Bären“ in jedem Buch aus Tiffany`s Bestand klebten, sieht man dieses Exlibris in Deutschland nur sehr selten. Sie müssen vermutlich nach London in die British Library fahren, um ein weiteres im Original zu sehen!

Noch ein weiteres interessantes Exlibris aus der kleinen „Schatzkammer“ der Bibliothek möchte ich vorstellen:

Wer war A(lfred) Goldammer?

Sehen Sie sich die sehr feine Ausarbeitung dieses Exlibris an (mit den kleinen Goldammern links und rechts in den Zweigen!), und Sie werden sofort erkennen, dass hier ein künstlerisch sehr begabter Mensch am Werk war. 

Wie (fast) immer, wird man in solchen Fällen bei Wikipedia fündig. Wolfgang Schneider stellt in seiner Arbeit „Deutschlands Briefmarkenkünstler“ den Graphiker und Maler Alfred Goldammer vor. 

Geboren im Jahre 1891, kam Alfred Goldammer im Jahre 1917 als graphischer Zeichner zur Reichsdruckerei, wo er mit Entwürfen für Banknoten begann, später auch an der Gestaltung von Briefmarken arbeitete. Bereits in den Jahren 1938-39 erschienen Briefmarken von ihm, aber seine große Schaffensperiode, die wir als Briefmarkensammler wahrnehmen, kam in den 1950er Jahren, als er – nunmehr in der Bundesdruckerei angestellt – vielfältige Briefmarken für die Landespostdirektion Berlin entwarf, darunter u.a. die Berliner Bautenserie (Mi.Nr. 42-60), die Ausgabe für die  Währungsgeschädigten (Mi.Nr. 68-70, Block 1) oder die Gedächtniskirchen-Serie (Mi.Nr. 106-09). Alfred Goldammer arbeitete bis zu seiner Pensionierung bei der Bundesdruckerei Berlin. Er starb im Jahre 1971.

Nachzulesen ist dies alles unter folgender Webadresse: http://www.bund-forum.de.

Das Exlibris in unserer Bibliothek ist ein hochfeiner Abzug vom Stahloriginal, auf schwerem Büttenkarton, und in seiner Form sicherlich einmalig.

In Zeiten, wo Bücher Massenware sind, stellen Exlibris in der oben beschriebenen Form heute eher eine Ausnahme dar. Vielleicht findet man noch hin und wieder Exlibris eingedruckt oder eingestempelt. Die kleinen Klebezettel sind meist „bygones“ aus vergangenen Jahrzehnten (oder sogar Jahrhunderten). 

Beim Stöbern in unserer Bibliothek, insbesondere bei den klassischen Monographien, kann man fündig werden. Gehen Sie doch mal auf die Suche!  

Wir danken Hans-Joachim Schwanke für diesen Beitrag!

Der BDPH 1996 – 2021

Anfang November feierte der BDPH in Bonn das 75jährige Bestehen des Bundes Deutscher Philatelisten. Zu diesem Anlass verfasste Wolfgang Maaßen eine umfangreiche Dokumentationzu den letzten 25 Jahren von 1996 – 2021. Geordnet in der chronologischen Folge der Präsidentschaften wird über wichtige Verbandsentscheidungen berichtet, über Ausstellungen und Messen.

Erinnert wird auch an herausragende Persönlichkeiten der Philatelie, die in dieser Zeit verstarben. Zahlreiche farbige Abbildungen wecken Erinnerungen bei allen, die in diesen Jahren in der Philatelie aktiv waren. Der Autor hat sich bewußt auf diesen Zeitraum beschränkt, da zum 50jährigen Jubiläum bereits eine  Festschrift veröffentlicht wurde. Das  gewichtige Werk (628 Seiten!) ist fest gebunden und in der bekannten großen Druckschrift erschienen. 

Wolfgang Maaßen. Der BDPH 1996 – 2021. 2021. 628 S., zahlreiche farbige Abbildungen.

75 Jahre Bund Deutscher Philatelisten. 1946 -2021

Dieser Band wurde vom Consilium Philatelicum herausgegeben, die Redaktion übernahm HerrVolker Köppel. In diesem Buch wird anhand verschiedener Beiträge Verbandsgeschichte geschildert, beginnend mit den Anfängen nach 1945. Die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland ist ein Thema, ebenso die Wiedervereinigung, das Haus der Philatelie, der Tag der Briefmarke. BDPh-Präsidenten, Bundes-und Philatelistentage, Jubiläen und internationale Events werden angesprochen. Auf 234 Seiten mit vielen farbigen Abbildungen wird hier einguter Abriß zur Verbandsgeschichte gezeigt.

1946 -2021. 75 Jahre Bund Deutscher Philatelisten. Dokumentationen zur Geschichte der Philatelie. Redaktion Volker Köppel. Hrsg.  Consilium Philatelicum. 2021. 234 S., mit farbigen Abbildungen.

Briefmarken sammeln – warum?

Dr. Heinz Jäger, der Ehrenpräsident des BDPHs, hat mit der Unterstützung von Günther Korn ein unterhaltsames Buch geschrieben. Es geht darum, aufzuzeigen, zu welch unterschiedlichen Themen und Gesichtspunkten sich etwas sammeln läßt. Es muß eben nicht die „Mauritius“ sein, sondern es gibt unzählige andere Sammelobjekte. Kleine Dokumentationen mit farbigen Abbildungen und guten Texten lassen erkennen, wie engagiert Herr Dr. Jäger Philateliegebiete erschließt und wie interessant sich auch kleine Spezialthemen entwickeln lassen.

Dr. Heinz Jäger. Briefmarken sammeln – warum? Es muß nicht immer die Mauritius sein! 2021. 383 S., mit farbigen Abbildungen.

Der Kuli von Tientsin

Auch mit über 90 Jahren sind das philatelistische Wissen und die Erinnerungen an Erlebnisse dem Autoren Wolfgang Jakubek noch sehr gegenwärtig. So verbindet sich in der  Broschüre das Wissen um die Souvenirkarten von Tientsin, die 1901 im Deutschen Club von Tientsin erhältlich waren, mit Erinnerungen an Gespräche von Zeitzeugen, die selbst um 1900 in China lebten. Eine Sammlung von Souvenirkarten ist abgebildet und mit fundierten Informationen beschrieben. Dazu kommt eine anschauliche Schilderung des Berliner Philatelistenlebens zu Beginn der 1950er Jahre, auch dies nun Teil der Geschichte.

Ein Lesevergnügen auf 62 Seiten , es wurde den Freunden das Autors gewidmet und ist nicht im Handel erhältlich. Die Philatelistische Bibliothek Hamburg e.V. freut sich, dass ihr ein Exemplar vom Verfasser geschenkt wurde und für interessierte Leser bereit steht.

Wolfgang Jakubek. Der Kuli von Tientsin. 2021. 62 S., mit farbigen Abbildungen.

Ratibor Philatelie

Auf über 2000 Seiten wird die philatelistische Heimatgeschichte dargestellt.

Der Autor, Josef Drobny, hat in 3 umfangreichen Bänden, von denen jeder in einem Schuber untergebracht ist, eine beeindruckende Fülle an Material zusammengetragen. Briefmarken, postalische Belege, zahlreiche Ansichtskarten, auch Wappen und Gemeindesiegel von Schlesien. Alles ist farbig abgebildet.

Der Zeitraum 1816 – 1945 bildet den Rahmen des Buches. Der Autor weist ausdrücklich daraufhin, dass er die Abstimmungszeit nach dem 1.Weltkrieg, das Hultschiner Ländchen 1920-1938 mit einbezogen hat, sowie den östlichen Teil des Kreises, der nach einer Abstimmung Polen zugesprochen wurde.

Band 1 befaßt sich mit der Stadt Ratibor. Dort gab es die erste Poststelle wohl 1676, aber es beginnt hier mit den Anfängen der preußischen Post 1816. Die Stadtteile werden vorgestellt, auch besonderer Persönlichkeiten der Stadt und aus historische Quellen zitiert. Zum Abschluß finden sich Wappen und Siegel von Schlesien und Gemeindesiegel.

Band 2 und 3 , ebenfalls jeweils mit über 700 Seiten, befassen sich mit dem Ratibor Kreis. In alphabetischer Folge werden die Ortschaften vorgestellt, wiederum mit allen verfügbaren postalischen und philatelistischen Belegen dokumentiert. Zitate etwa aus dem Topographischen Handbuch von Oberschlesien oder Auszüge aus einem preußischen Adressbuch ergänzen den Text.

Das eindrucksvolle Werk erschien 2021 im Selbstverlag. Die Bibliothek bedankt sich bei dem Autoren für die Buchspende!

Josef Drobny. Ratibor Philatelie. Philatelistische Heimatgeschichte. 2021. Über 2100 Seiten, mit farbigen Abbildungen; 3 fest gebundene Bände in Schubern.

The Postal History of Barbados and Grenada

Edward B. Proud ist als Verfasser und Herausgeber zahlreicher Handbücher bekannt, allein in der Bibliothek finden Sie 70 Titel!

Insbesondere die Gebiete des British Commonwealth und Großbritanniens sind sein Thema. Der vorliegende Band ist ein Beispiel für weitere Ausgaben.

Er ist fest gebunden, enthält Fotoabbildungen und Stempelabbildungen, mit Bewertung auch auf Briefen.

Vorangestellt ist im Text ein geschichtlicher und postgeschichtlicher Abriß. Dann werden die Tarife, Postämter und Stempel behandelt. Im Anhang ist auch eine Statistik der „packet agency“, u.a. mit dem Hinweis „1st June mail thrown over board“ – so etwas passierte zum Glück selten!

Edward B. Proud. The Postal History of Barbados and Grenada. 2006. 335 S.,mit Abbildungen.