Schweriner Philatelie


Jetzt neu in der Philatelistischen Bibliothek Hamburg e.V.:

Anders als es der Titel vermuten lässt, ist dies kein Buch, das sich mit der Postgeschichte der Stadt
Schwerin beschäftigt. Diese wurde, wie der Autor richtig hervorhebt, bereits in zahlreichen
Veröffentlichungen beleuchtet. Vielmehr handelt es sich um eine Art Chronik, entstanden anlässlich des
35. Geburtstags des „Schweriner Philatelistenverein 1990 e.V.“, die den Aktivitäten Schweriner
Philatelisten ab den 1870er Jahren nachgeht.


Zu den frühesten deutschen Briefmarkenvereinen zählt der 1877 gegründete Internationale
Philatelistenverein Dresden. Er erfreute sich überregionaler Bedeutung und konnte zu seinen Hochzeiten
mehr als 3000 Sammler aus ganz Deutschland zu seinen Mitgliedern zählen, darunter vor dem Ersten
Weltkrieg sieben Schweriner Philatelisten. In das Jahr 1887 fällt die Gründung der Rostocker
Sammlervereinigung „Union“, die Sammlern aus ganz Mecklenburg offenstand und wo Schweriner im
Vorstand saßen. Einen eigenen Verein erhielt die Stadt erst im Jahr 1898 unter dem Namen
„Mecklenburgischer Postwerthzeichen-Sammler-Verein“.


Fritz Mahnke war wohl der erste Schweriner, der sich mit einem Exponat hervortat. Auf der
Postwertzeichen-Ausstellung in Berlin vom 15. bis 22. Oktober 1922 errang er eine kleine Goldplakette.
Ein weiterer prominenter Aussteller war Georg Albert, der 1938 in Bremen die Silberne Senatsmedaille
als höchste Auszeichnung der Ausstellung nebst einem Ehrenpreis für seine „ganz hervorragende und
einzigartige Sammlung Mecklenburg-Schwerin“ zuerkannt bekam. – Angemessene Würdigung finden
alsdann die Veranstaltungen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten.


Die beiden folgenden Kapitel befassen sich mit der Nachkriegszeit bis zur Gründung der DDR und
danach intensiv mit der organisierten Philatelie in der DDR. Hier werden die zahlreichen besonderen
Briefmarkenausstellungen gewürdigt und dabei das Abschneiden Schweriner Sammler hervorgehoben.
In größeren Betrieben und Institutionen der Stadt bildeten sich seinerzeit sog. Betriebs-
Arbeitsgemeinschaften (BAG). Schweriner Philatelisten arbeiteten mit in Katalog-Redaktionen, waren
internationale Juroren und saßen als Prüfer im Zentralvorstand des Philatelistenverbandes der DDR.
Den Neuanfang im Jahr 1990 markierte die rasche Bildung des Landesverbandes Mecklenburg-
Vorpommern. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich anschließend mit der Jugendarbeit, die organisiert
1947 ihren Anfang in einer Schweriner Schule nahm. Durch den Kulturbund der DDR konnten zahlreiche
Jugendliche bis 1990 mit dem Leistungsabzeichen für junge Philatelisten in Gold, Silber oder Bronze
ausgezeichnet werden. 2016 feierte der Landesring M-V der jungen Philatelisten sein 25-jähriges
Bestehen – heute gibt es in Schwerin keine Jugendgruppe mehr, bedauerliches Zeichen der
fortschreitenden Alterung der organisierten Sammler.


Auch der Briefmarkenhandel in Schwerin ist in der Darstellung nicht vergessen. Bereits 1872 waren zwei
Händler in der Stadt tätig, ein Jahr darauf drei, und 1949 führten bereits fünf Händler wieder ein
Ladengeschäft. Hinzu kamen Hans Heinert mit regelmäßig im „Generalanzeiger für Philatelie“
beworbenen Auktionen und die Firma Ellermann, die bis etwa 1955 ein Versandgeschäft betrieb. 1958
übernahm die „HO-Briefmarken“ als einziges örtliches Geschäft den Briefmarkenhandel und war als
„Schweriner Briefmarken- und Münzhandelshaus“ noch bis nach der Wende tätig. Bis heute geblieben ist
ein Auktionshaus, das in unregelmäßigen Abständen Bestände aus Sammlungsauflösungen anbietet.
Das Schlusskapitel stellt „hervorzuhebende Schweriner Sammler“ vor, u.a. die bereits erwähnten Georg
Albert und Fritz Mahnke, Dr. Heinz Geistefeld, Eckhard Kersten, den Prüfer Paul Rahn, Hans-Heinz
Schütt und Günter Theile. – Im Anhang findet man eine Aufstellung aller Briefmarkenausstellungen in
Schwerin und eine zweite, die sämtliche Ausstellungen festhält, an denen Schweriner Philatelisten
teilgenommen haben.


Das überreich mit passendem Briefmarkenmaterial, Werbestempeln, Belegen, Fotos und vielen
Zeitungsausschnitten aus der Sammlung des Autors illustrierte Buch ist eine fleißige Dokumentation des
philatelistischen Lebens der kleinsten Landeshauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Mit viel
Lokalkolorit und auch ein wenig Nostalgie wurde festgehalten und geordnet dargestellt, was über kurz
oder lang in Vergessenheit geraten wäre. Ein verdienstvoller Beitrag!
Rainer von Scharpen, AIJP


REFKE, Detlef, Die Schweriner Philatelie ab dem 19. Jahrhundert. 100 Seiten, Format 15 x 21,5 cm,
farbige Abb., Festeinband mit Fadenbindung. Bad Kleinen: REIN DESIGN, 2026. Preis: 15,90 € incl.
Versand. ISBN 978-3-947466-59-7. Erhältlich im Buchhandel oder bei info@reindesign-sn.de.